Presseinformation GDM

 

 

Metallgießereien sehen Ende der Talsohle
 
Geschäftsverlauf 2002 noch unsicher
Erholung der Branchenkonjunktur für 2. Halbjahr erwartet.

Hannover, 17. April 2002
Nachdem die deutschen NE-Metallgießereien im vergangenen Jahr (2001) das Rekordniveau des Vorjahres (2000) knapp erreicht hatten, haben sie im letzten Quartal 2001 und zum Jahresbeginn 2002 eine Atempause eingelegt. Für das laufende Jahr erwartet die Branche dennoch "einen Gleitflug auf flacherem Wachstumsgrad". Für die mittel- und langfristige Geschäftsentwicklung bleibt sie optimistisch. Sorgen bereitet der zunehmende Fachkräftemangel.
 
Trotz der abflauenden Konjunktur in Europa und in der Welt konnten die deutschen Metallgießereien mit der Produktion von über 830.000 Tonnen im abgelaufenen Jahr zufrieden sein. Dies entspricht einem geringfügigen Rückgang von - 1,3 % gegenüber dem Rekordjahr 2000 (842.000 Tonnen). Beim Umsatz und bei der Beschäftigung konnte die Branche mit 3,66 Mrd. Euro (7,16 Mrd. DM) und 34.500 Mitarbeitern die Vorjahreszahlen (6,7 Mrd. DM; 33.000 Mitarbeiter) übertreffen. Wie der GDM-Hauptgeschäftsführer im Einzelnen ausführte, wird die Produktion der Metallgießereien vor allem von der hohen Nachfrage nach Leichtmetallen getragen, die rund ¾ des gesamten NE-Metallgusses ausmachen. Beim Aluminium verblieb die Produktion im Jahr 2001 mit 645.000 t auf Vorjahresniveau, beim Magnesium gab es wie in den Vorjahren einen sprunghaften Anstieg auf 26.000 t (+ 23 %). Dieses Mengenwachstum liegt in der nach wie vor hohen Nachfrage aus der Automobilindustrie begründet - der bedeutendsten Abnehmerbranche für den Metallguss. Damit ist der nachlassende Rückgang bei Neuzulassungen im Inland sowie ein sich abschwächender Export durch eine Vielzahl von Neukonstruktionen im Leichtmetallguss mehr als ausgeglichen.
 
Anders dagegen die Lage für die Buntmetallgießer. Fast alle Verfahren in sämtlichen Legierungen weisen negative Vorzeichen bei der Produktion auf. Der Guss aus Kupfer fiel um knapp 5 % auf 86.800 t, der aus Zink um gut 10 % auf 70.400 t. Die negative Entwicklung bei den Buntmetallen ergibt sich vor allem aus der schwierigen Situation der Bau- und Beschlagindustrie, aber auch Maschinen- und Anlagenbau sowie Elektroindustrie haben zum Jahreswechsel hin ihre Bestellungen deutlich reduziert.
 
Ausblick: "Gleitflug auf flacherem Wachstumspfad"
 
Die Schwächephase der deutschen und internationalen Wirtschaft und ihre gegenwärtigen rezessiven Elemente lassen für die nächsten Monate bestenfalls einen gedämpften Ausblick zu. Die Erwartungen beruhen darauf, dass zur Jahresmitte die Weltwirtschaft getragen von der US-amerikanischen Entwicklung wieder anzieht und auch in Deutschland und Europa wieder eine wirtschaftliche Belebung einsetzt. Vor diesem Hintergrund erwartet die Metallgussindustrie "einen Gleitflug auf flacherem Wachstumspfad". Die ersten Wochen des Jahres 2002 haben in der Branche flächendeckend zu leichten Produktionsrückgängen geführt, die sich, so Klügge, jedoch mittelfristig wieder zum Positiven wenden werden. Für das laufende Jahr erwartet Klügge eine Produktion, die sich auf Vorjahresniveau einpendeln wird. "Der Konjunkturaufschwung wird kommen", sagte er. Die Automobilindustrie werde weiterhin eine wichtige Stütze insbesondere des Leichtmetallgusses sein, auch wenn sich die dynamische Entwicklung der letzten Jahre etwas abschwächen sollte. Eine Belastung, besonders für den Buntmetallguss bleibe die Krise in der Bauindustrie. Aber auch der Maschinenbau und die Elektroin-dustrie zeigen gegenwärtig noch zu wenig Aktivität im Markt. Projekte würden teilweise in die Zukunft verschoben und vielfach leide darunter der aktuelle Auftragseingang. Prognosen für diese Abnehmersegmente gestalten sich höchst kompliziert, da die Gusskunden selbst über ihre wirtschaftlichen Erwartungen sehr unsicher sind
 
Um die heimische Konjunktur im laufenden Jahr zu stärken, plädiert Klügge für moderate Lohnabschlüsse. Die Tarifpolitik dürfe keine Lohnpreisspirale in Gang setzen, die das Wirt-schaftswachstum weiter untergraben würde und speziell auf Personalkosten intensive Gießereiunternehmen eine verheerende Wirkung haben dürfte.
 
Die mittel- bis langfristigen Aussichten der Branche werden positiv gesehen. Die stark mittelständisch geprägten Unternehmen hätten vielfältige Beiträge für gießereitechnische Innovationen geleistet. Der sich weiter verstärkende Trend zu Leichtmetallen im Verkehrssektor und produktiven Produkten z. B. in der elektronischen Industrie, die vermehrt Gussprodukte einsetzt, sprechen für die guten Entwicklungsmöglichkeiten der Branche. Viele namhafte Abnehmer von Gussprodukten bekennen, dass Qualität, Termintreue, Kompetenz und Flexibilität deutscher Metallgießereien manchen Preisnachteil gegenüber ausländischen Anbietern ausgleichen. Insofern ist die NE-Gießereiindustrie zuversichtlich, ihre Spitzenposition im globalen Wettbewerb auch zukünftig zu halten!
 
Die Branche leidet weiterhin unter Fachkräftemangel

Sorge bereitet laut Klügge der Mangel an Fachkräften, unter denen die Branche seit geraumer Zeit leidet. Trotz großer Anstrengungen in der Aus- und Weiterbildung werde es immer schwieriger, ausscheidende Fachleute in den Betrieben zu ersetzen. Die demografische Entwicklung und ein antiquiertes Bild der Branche in der Öffentlichkeit seien dafür verantwortlich. Gießereien sind heute keine "schweißtreibenden Hexenküchen" mehr, sondern - wie Klügge betonte - moderne, hoch technisierte Betriebe. Sie böten angesichts der guten Per-spektiven für die metallischen Werkstoffe eine solide Ausbildung, sichere Arbeitsplätze und gute Entwicklungschancen. Das gelte vom Lehrling bis zum promovierten Ingenieur. Vor diesem Hintergrund plädiert der GDM für eine gezielte Zuwanderungspolitik.

 
Für weitere Informationen:
Gesamtverband Deutscher Metallgießereien e.V.
Hauptgeschäftsführer Gerhard Klügge
Telefon: (0211) 4796-152
Telefax: (0211) 4796-409