Presseinformation GDM

 

 
Deutsche Metallgießer mit aktuellem Geschäftsjahr zufrieden
Produktion auf Rekordniveau / Geschäftsverlauf 2002 unsicher
 
Düsseldorf, 4.12.2001 - Die deutschen NE-Metallgießereien werden in diesem Jahr bei Umsatz und Produktion voraussichtlich das Rekordniveau des Vorjahres erreichen, wenn nicht sogar überbieten. In den ersten neun Monaten 2001 ist die Produktion laut Gesamtverband Deutscher Metallgießereien (GDM) um 1,2 Prozent gestiegen. Für das nächste Jahr erwartet der GDM-Vorsitzende Hans Dieter Honsel "einen Gleitflug auf flacherem Wachstumspfad". Für die mittel- und langfristige Geschäftsentwicklung bleibt die Branche optimistisch. Sorgen bereitet der zunehmende Fachkräftemangel.
 
Trotz der abflauenden Konjunktur in Europa und der Welt können die deutschen Metallgießereien mit der Produktion von 635.422 Tonnen in den ersten drei Quartalen zufrieden sein. Das entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,2 Prozent und lässt laut Honsel erwarten, dass die Produktion am Ende des Jahres mindestens auf dem Rekordniveau des Vorjahres (842.116 t) liegen wird. Auch beim Umsatz und bei der Beschäftigung wird die Branche mit 6,7 Mrd. DM und 33.000 Mitarbeitern an die 2000er-Zahlen anknüpfen.
 
Wie der GDM-Hauptgeschäftsführer Gerhard Klügge im Einzelnen ausführte, wird das Wachstum vor allem von der hohen Nachfrage nach Leichtmetallen getragen, die rund drei Viertel des gesamten NE-Metallgusses ausmachen. Beim Aluminium stieg die Produktion bis September auf 491.400 t (+2,1%), beim Magnesium gab es wie in den Vorjahren einen sprunghaften Anstieg: auf 19.445 t (+24,3%). Dieses Mengenwachstum liegt in der nach wie vor hohen Nachfrage aus der Automobilindustrie begründet - der bedeutendsten Abnehmerbranche für den Metallguss. Dabei wird der leichte Rückgang bei den Neuzulassungen in Deutschland durch die hohen Exporte mehr als ausgeglichen.
 
Anders dagegen die Lage für die Buntmetallgießer. Fast alle Verfahren in sämtlichen Legierungen weisen negative Vorzeichen bei der Produktion auf. Der Guss aus Kupfer fiel um 1,8 Prozent auf 66.287 t, der aus Zink um 7,9 Prozent auf 55.278 t. Lediglich der Kupfer-Sandguss macht eine Sonderentwicklung durch, die durch wenige Unternehmen gestützt wird (+4,7%). Die negative Entwicklung bei den Buntmetallen ergibt sich aus der schwierigen Situation in der Bau- und Beschlagindustrie.
 
Ausblick: "Gleitflug auf flacherem Wachstumspfad"
Die deutliche Abschwächung der Wirtschaft und ihre derzeit rezessiven Elemente lassen für die nächsten Monate allenfalls einen gedämpften Ausblick zu. Die Erwartungen ruhen darauf, dass die Weltwirtschaft zur Jahresmitte wieder anzieht und auch in Europa und Deutschland eine wirtschaftliche Belebung einsetzt. Vor diesem Hintergrund erwartet Honsel für die Metallgussindustrie "einen Gleitflug auf einem flacheren Wachstumspfad". Einen drastischen Mengenrückgang für 2002 sieht er aktuell nicht. Die Automobilindustrie werde weiterhin eine wichtige Stütze insbesondere des Leichtmetallgusses sein, auch wenn sich die dynamische Entwicklung der letzten Jahre etwas abschwächen sollte. Eine Belastung besonders für den Buntmetallguss bleibe die Krise in der Bauindustrie. Aber auch der Maschinenbau und die Elektroindustrie zeigen wenig Aktivität im Markt. Projekte würden teilweise in die Zukunft verschoben und vielfach leide darunter der aktuelle Auftragseingang. Prognosen für diese Abnehmersegmente gestalten sich höchst kompliziert, da die Gusskunden selbst über ihre wirtschaftlichen Erwartungen sehr unsicher sind.
 
Um die heimische Konjunktur im kommenden Jahr zu stärken plädiert Honsel für moderate Lohnabschlüsse. Die Tarifpolitik dürfe keine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die das Wirtschaftswachstum weiter untergraben würde.
 
Die mittel- bis langfristigen Aussichten der Branche sieht Honsel positiv. Die stark mittelständisch geprägten Unternehmen hätten vielfältige Beiträge für gießereitechnische Innovationen geleistet. Der sich weiter verstärkende Trend zu Leichtmetallen im Verkehrssektor und innovative Produkte zum Beispiel in der elektrotechnischen Industrie, die vermehrt Gussprodukte einsetzt, sprechen für die guten Entwicklungsmöglichkeiten der Branche. Viele namhafte Abnehmer von Gussprodukten sehen laut Honsel, dass die Qualität, Termintreue, Kompetenz und Flexibilität deutscher Metallgießereien manchen Preisnachteil gegenüber ausländischen Anbietern ausgleichen. "Dies stimmt uns zuversichtlich, dass die deutschen Metallgießer auch künftig ihre Spitzenposition im globalen Wettbewerb verteidigen", so Honsel.
 
Branche leidet unter Fachkräftemangel
Sorgen bereitet laut Honsel der Mangel an Fachkräften, unter dem die Branche seit geraumer Zeit leidet. Trotz großer Anstrengungen in der Aus- und Weiterbildung werde es immer schwieriger, ausscheidende Fachleute in den Betrieben zu ersetzen. Die demografische Entwicklung und ein antiquiertes Bild der Branche in der Öffentlichkeit seien dafür verantwortlich. Honsel betonte, dass Gießereien heute keine "schweißtreibenden Hexenküchen" seien, sondern moderne, hoch- technisierte Betriebe. Sie böten angesichts der guten Perspektiven für Leichtbauwerkstoffe eine solide Ausbildung, sichere Arbeitsplätze und gute Entwicklungschancen. Das gelte vom Lehrling bis zum promovierten Ingenieur. Vor diesem Hintergrund plädiert Honsel für eine gezielte Zuwanderungspolitik.
 
Für weitere Informationen:
Gesamtverband Deutscher Metallgießereien e.V.
Hauptgeschäftsführer Gerhard Klügge
Telefon: (0211) 4796-152
Telefax: (0211) 4796-409